
Nach dem „Katastrophenjahr“ 2006, in dem kein einziger Jungstorch am unteren
Niederrhein die widrigen Wetterverhältnisse überlebte, konnten in diesem Jahr
wieder Jungstörche ihre Nester verlassen. Zwar wurde das im vergangenen Jahr
erstmals besetzte Pfahlnest in Till nicht wieder besetzt und auch in Keeken gab
es Probleme, aber in den anderen Brutstandorten wurde erfolgreich gebrütet.
In Zyfflich überwinterten wieder beide Altstörche. Im Dezember dann eine große
Überraschung: Marie II, die Brutstörchin der Jahre 1998 bis 2003 tauchte
plötzlich wieder auf! Gemeinsam mit ihrem „Ex“ und seiner derzeitigen Partnerin
stolzierte sie durchs Grünland und auch über den Dorfplatz. Ab und zu gab es
aber auch schon mal Rangeleien. Die Dorfbewohner waren gespannt darauf, wie denn
diese Beziehungsgeschichte ausgehen würde. Marie II fand`s wohl nicht so lustig
und verschwand im Januar wieder.
Jan und Marie die III. schritten Anfang April zur Brut. Um den 10.05. schlüpften
2 Küken, die von den Kindergartenkindern die Namen „Janine“ und „Flocke“ bekamen.
„Babe“, ein Zyfflicher Jungstorch aus dem Jahr 2004 wurde Anfang Juli in den
mittelfranzösischen Departements Cher und Nievre gesehen.
Am 24. Juni bekam die Familie Euwer viel Besuch. Der Arbeitskreis Weißstorch in
de Gelderse Poort informierte im Rahmen der „Streekgala“ interessierte
Teilnehmer der Veranstaltung auf der „Storchenterasse“ an der Gaststätte Polm
über die Wiederansiedlung des Weißstorches am Niederrhein.
Nach dem Verlust des einzigen Jungvogels im vorigen Jahr reihte sich Kranenburg
in diesem Jahr erstmals nach über 60 Jahren wieder in die Riege der
erfolgreichen Brutstandorte des Niederrheins ein. Der Altstorch des Vorjahres,
am schmalen Ring oben links erkennbar wurde am 1. März erstmals wieder gesichtet.
Am 9. Mai konnte ich dann aus dem Kirchturm der Pfarrkirche 2 Storchenküken
ausmachen. Zu meiner und aller Überraschung stellte ich dann fest, das sich der
schmal Beringte mit der 7 Jahre alten Störchin Nr. 4760 aus der Provinz Drente,
NL eine andere Partnerin erkoren hatte. Diese Störchin hatte zuvor von 2002 bis
2006 erfolgreich in Keeken gebrütet!
Die NABU Kindergruppe der Grundschule vergab die Namen „Henrik“ und „Henk-Jan“
für die Jungstörche und die Feuerwehrkameraden, an deren Depot sich das
Pfahlnest befindet tauften die Brutstörche auf die Namen „Florian“ und „Floriane“.
In Keeken besetzten im Januar Nilgänse die Pfahlnisthilfe und begannen zu brüten.
Schon früh eingetroffen versuchten die Weißstörche in den Monaten Februar und
März die Fremdlinge zu vertreiben, was ihnen letztendlich nicht gelang. Das
Storchenpaar gab leider auf und verschwand – sie, wie zuvor berichtet zog es
nach Kranenburg. Offensichtlich durch die ständigen Störungen misslang die
Nilgansbrut. Später wird ab und zu ein anderes Storchenpaar auf dem Nest gesehen,
zur Brut kam es aber nicht.
Auf der Bislicher Insel wartete man nach dem Umstürzen des Nestbaumes und damit
Verlust des Naturnestes im vergangenen Jahr gespannt auf die Rückkehr der
Weißstörche – würden sie die neu errichtete Pfahlnisthilfe annehmen? Am 6. März
registrierte Johan Mooij dann erfreut erste Bauaktivitäten auf dem neuen Nest.
Aus 4 Eiern schlüpften 4 Junge, von denen das kleinste und schwächste später
starb.
Da die Pfahlnisthilfe niedrig und leicht zugänglich ist, wurden erstmals 3
Bislicher Jungstörche beringt.
Weitere Beobachtungen: Nachdem im April / Mai vereinzelt Meldungen über
Storchenbeobachtungen vor allem entlang des Rheins hereinkamen, verstärkten sich
diese von Juli bis August in bisher für hiesige Verhältnisse ungewöhnlicher
Vielzahl. Um das Dorf Mehr, mitten in der Düffel hielten sich ab Ende Juni bis
zu 13 Störche auf, die auf den Flutlichtmasten des Sportplatzes übernachteten.
Das veranlasste die Dorfbewohner kurzfristig 2 Nisthilfen zu errichten, die
sofort von den Störchen inspiziert wurden. Einige Ringe konnten abgelesen
werden. Da noch keine Rückmeldung der Vogelwarte Helgoland vorliegt, kann ich
nur vermuten, dass die meisten Störche aus den Niederlanden kamen. Einer
allerdings war darunter, der einen Ring der Vogelwarte Hiddensee trug, also
irgendwo östlich der Elbe zur Welt kam.
Ab Anfang August werden die gesichteten Trupps immer größer: 10.8. – 20 Störche
kreisen über die Düffel; 13.8. – 28 St. Am Altrhein bei Düffelward / Brienen;
25.8. – 20 St. auf der Kirche Zyfflich; Ende August / Anfang September kommen
Meldungen, tlw. durch Fotos belegt über 70 – 80 St. in der Düffel und 100 St. im
Südkreis Kleve bei Geldern-Veert. Es handelt sich wohl überwiegend um
Jungstörche aus den Niederlanden, die auch wg. Starkregens und Windböen
Zwischenlandungen eingelegt haben..
Aus dem Ooijpolder und der Duffelt liegen mir leider nur wenige Meldungen über
Weißstorchenbeobachtungen vor. Sicher ist aber, dass in Groenlanden 3
Jungstörche das Nest verlassen haben und die Brut in Kekerdom leider misslang.
Hans-Gerd Kersten
Redaktion VEBJ
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